Das Wichtigste mit meiner Nation teilen - Freiheit
Januar 13, 2008 – 11:02 pmDestan, schön dass Du Dir die Zeit für uns genommen hast. Kannst Du Dich kurz vorstellen?
Gern. Ich bin 1981 in Tekman (Erzurum), Nordkurdistan geboren. In meiner Jugend habe ich in Istanbul gearbeitet und bin 1998 nach Deutschland ausgewandert.
Ab wann hast Du Dich mit der Musik verbunden gefühlt und angefangen, selbst zu musizieren?
Seit ich denken kann. Schon als Kind liebte ich die Musik und hörte sehr viel Dengbêjî. Seit dieser Zeit singe ich selbst? Was ich heute mache, war mein Traum von Kindheit an. Damals schon war ich verliebt in , daran hat sich seitdem nichts geändert.
Wie viele Alben hast Du schon veröffentlicht?
Momentan sind es zwei. Die erste CD, „Jiyan û Mirov“ (Leben und Menschen) ist 2004 veröffentlicht worden. Die zweite CD ist 2006 unter dem Namen „Yek Yek, One One“ herausgekommen.
Worin liegt der Unterschied zwischen diesen beiden CDs?
Jeder Sänger hat einen bestimmten Musikstil. Mein Stil ist kurdischer Volkspop. Diese Richtung ist in der zweiten CD erkennbarer. Allgemein ist die zweite CD professioneller. Sie enthält mehr Duetts mit Musikern wie Sivan Perwer, Aydin, Hekim Sefkan und Bawelya. Die zuletzt erschienene CD soll immer besser werden als die vorige. Das habe ich auch versucht.
Wie man unschwer erkennt, bist Du in kurzer Zeit erfolgreich und berühmt geworden. Wie hast Du das geschafft?
Ich musiziere nicht, um berühmt zu werden. Musik ist für mich Liebe. Sie kommt von meinem Herzen. Die Menschen hören und fühlen diese Liebe durch meine Musik. Wie gesagt, ich bin verliebt in Musik. Man kann es mit einem Gefangenen vergleichen, der die Freiheit liebt, so sehr liebe ich die Musik.
Hast Du mit kurdischer Musik angefangen oder türkischer?
Nein, nein, nein! Natürlich kurdisch. Ich bin Kurde. Als Jugendlicher habe ich mit dem das mesopotamische Kulturhaus in Istanbul besucht. Damals habe ich mich entschieden, den Weg der kurdischen Kunst einzuschlagen.
Ich habe von an Anfang an kurdisch gesungen, bin deshalb verhaftet und gefoltert worden. Das war auch der Grund, warum ich meine Heimat verlassen musste.
Kurdische Musik verändert sich in letzter Zeit, oft werden westliche Musikrichtungen mit dieser gemischt. Wie beurteilst Du diese Entwicklung?
Das ist eine gute Entwicklung. Die kurdische Musik wird modernisiert, von der westlichen Musik jedoch nicht unterdrückt. Ein Problem ist es allerdings, wenn Musiker westliche Musik nur kopieren, anstatt sie mit kurdischer Musik zu verbinden.
Sonst sehe ich diese Entwicklung als einen globalen Prozess, sie findet fast überall statt.
Wie ist Deine Meinung zu kurdischen Musikern, die sich von der Politik fernhalten, obwohl Kurdistan noch nicht frei ist?
Oh, das ist gefährlich. Das kann nicht gut sein. Natürlich gibt es zwischen Politik und Musik einen großen Unterschied. Jedoch laufen viele kurdische Kinder in Istanbul beispielsweise ohne Schuhe und putzen die Schuhe von anderen Leuten; es herrscht immer noch Krieg; unsere Heimat ist nicht befreit, nicht einmal die Sprache kann man sorglos praktizieren. Menschen sind schuldlos im Gefängnis. Das ist alles Politik, ein Musiker muss auch die Realität in seine Musik aufnehmen. Deswegen muss die Politik auch in den Liedern eine Rolle spielen und versuchen, diese Tatsachen zu verarbeiten. Das darf ein kurdischer Musiker nicht vergessen.
Ich persönlich versuche, meiner unterdrückten Nation zu dienen.
Du hast einen besonderen Videoclip gedreht. Warum hast du ihn „Gerilla“ genannt?
Wir hofften in jüngster Vergangenheit auf Frieden in Nordkurdistan. Leider, leider zeigte sich im Jahre 2007 das Gegenteil. Hass und Rassismus zeigten sich in den Äußerungen der Politiker, Künstler, Sportler sowie in den Medien allgemein gleichermaßen. Die Unterdrückung der Kurden wurde wieder sehr deutlich. Ich musste meine Gefühle darüber schnell mit diesem Lied zum Ausdruck bringen. Deswegen konnte ich nicht warten, den Videoclip später zu drehen.
Im Lied gibt es die Problematik der Einbeziehung von Kurden in türkische Militäraktionen. Junge Kurden kämpfen als Soldaten gegen ihre Familie, Verwandten und ihre Kultur. Ich wollte die Menschen zum Nachdenken anregen und ihnen vor Augen führen, für wen und gegen wen sie kämpfen. Wenn sie schon in den Kampf ziehen, dann sollten sie als Gerilla ihrer Heimat dienen.
Wird dieses Lied auch auf der kommenden CD erscheinen und was sind Deine weitere Zukunftspläne?
Das Lied wird darauf erscheinen.
Zukunft… Ein Musiker muss Pläne und Ziele haben. Ich arbeite an meiner dritten CD. Diese ist für mich von großer Wichtigkeit. Ich habe dafür viel gearbeitet und bin immer noch dabei. Ich hoffe, diese CD wird bei Abschluss meinen Vorstellungen entsprechen.
Wann kommt diese CD raus?
Ich kann kein bestimmtes Datum nennen. Gute acht bis neun Monate muss ich noch daran arbeiten. Ich rechne mit der Veröffentlichung in den letzten Monaten des Jahres.
Was ist Dein größter Traum?
Ein freies Kurdistan. Alles, was ich hier mache, würde ich gern in Kurdistan tun können. Die Möglichkeiten, hier frei Kunst auszuleben, will ich auch in meiner Heimat haben.
Mein Wunsch ist es, mit meiner Nation zu leben und das Wichtigste auf der Welt mit ihnen zu teilen, gemeinsam zu genießen - Freiheit.
Wir vom Kurdmania Team bedanken wir uns herzlich. Für Deine Zukunft wünschen wir Dir alles Gute und viel Erfolg.
T. Amêdî und E. Korkmaz